Stromberg (Serie)

Ralf Husmann. Er hat ihn erschaffen. Diesen Mann, der direkt aus der Hölle zu kommen scheint und der für die Mitarbeiter der Schadensregulierung Abteilung M bis Z der Capitolversicherung den Chef darstellt. „Arbeit macht Arbeit, deswegen heißt es ja auch …ähh….Arbeit“. Berndt Stromberg sieht sich als Bindeglied. Ihm kommt es auf das Menschliche an, wie er immer wieder betont. Wer sich einige Folgen der Serie „Stromberg“ anschaut stellt jedoch fest, dass es dem Mann mit Halbglatze und Kinderschänderbart um nur einen Menschen geht, ihn selber. „Stromberg“ ist eine fiktive Dokumentation die den Versicherungsalltag des Berndt Stromberg darstellt. Mobbing, Kaffeepausen und Papierstau, der Büroalltag ist genau das was jeder sofort vor Augen hat…..nur schlimmer.

Stromberg bewegt sich stetig am Rande des Abgrundes, schafft es durch glückliche Umstände dennoch immer wieder seine Chef-Position zu halten oder wenigstens nicht gefeuert zu werden. Als ihm beispielsweise in der ersten Staffel vorgeworfen wird eine Putzfrau sexuell belästigt zu haben fällt der Firma auf, dass die Dame, die jeden Abend die Papierkörbe leert und die Kaffeeküche sauber hält, keine Aufenthaltsgenehmigung besitzt. Der Fall wird fallengelassen und Stromberg entkommt knapp seiner Entlassung.

Im Kern ist die Serie eine Komödie, sie trägt jedoch zwischen den Zeilen auch Teile eines Dramas in sich. Das Gleichgewicht der Figuren in „Stromberg“ hält sich sehr gut und macht die Serie rund. Neben den leicht überzeichneten Figuren wie Ernie oder Stromberg selbst, gibt es die Figuren in denen wir schnell Personen aus unserem eigenen Umfeld sehen könnten. Ulf und Tanjas Liebesgeschichte macht vielleicht ein paar Frauenherzen beim Gucken glücklich, hat für mich aber fast nur die Funktion das Gleichgewicht zu halten und nicht in die volkkommende Überzeichnung zu rutschen, das stellte auch schon der Autor selbst fest, wie aus dem Making-Of der Serie deutlich wird. Die für mich gelungenste Figur aus der Serie ist eindeutig Berthold Heisterkamp. In jeder Folge hofft man immer wieder auf viele Szenen mit „Ernie“. Diese tragische Figur besitzt eine Tiefe die sie unglaublich interessant macht. Er ist der Junge mit dem schon im Sandkasten niemand spielen wollte und der ein paar Jahre später in der Schule dann in den Mülleimer gestopft wurde. Seine Mutter ist seine Bezugsperson, auch noch in seinem mittleren Lebensabschnitt. Sie macht ihm jeden Morgen seine Brote und gibt ihm wichtige Lebensweisheiten mit ins Büro. Er ist strebsam und fleißig, was ihn oftmals bei seinen Mitarbeitern noch unbeliebter macht und ihn so wieder zurück in seine Opferrolle fallen lässt. In den späteren Staffeln entwickelt sich Ernie weg von seinem niedlichen Opferdasein, hin zu einem depressiven selbstmordgefährdeten Mann der dem Zuschauer nur noch Leid tut. Dadurch wird deutlich wie jede Staffel die Serie mehr zu einem Drama werden lässt.

Auch die Entwicklung der restlichen Charaktere ist über die Staffeln zu spüren. Die Serie bleibt nicht an einer Stelle stehen, sondern entwickelt sich über alle Staffeln glaubhaft und im richtigen Tempo weiter. Nur einer bleibt sich mehr oder weniger während der gesamten Staffeln treu, Stromberg. Christoph Maria Herbst scheint wie geboren für diese Rolle und ist in den meisten Augen, die ihn in anderen Serien oder Filmen erblicken, immer der bärtige Chef mit Halbglatze. Ihm wurde auf der Straße schon ernsthafte Prügel angedroht. Er solle aufhören seine Mitarbeiter so fertig zu machen. Es gibt tatsächlich Menschen die Realität und Fiktion nicht auseinander halten können, was mich sehr verwundert hat als Christoph das im TV erzählte. Andererseits ist das vielleicht das größte Kompliment das man von jemandem bekommen kann.

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Jurassic World

Du stehst auf einer riesigen Wiese. Plötzlich erkennst du über dem Horizont ein Tier auftauchen. Es erinnert dich an einen riesigen Vogel ohne Federn. Mit gebückter Haltung und angelegten Armen steht es einfach nur so da und starrt in deine Richtung. Aufgrund des kalten und starren Blickes des Wesens bekommst du Panik und willst losrennen. Da packen dich schon zwei weitere „Riesenvögel“, die direkt hinter dir lauerten und schlitzen dich mit ihrer messerscharfen Kralle senkrecht auf. Er jagt niemals allein, der „Veloce Raptor“.

Jurassic Park faszinierte und fasziniert immer noch einen riesigen Kreis. Nicht nur Kinder sind von dem Gedanken beeindruckt, Dinosaurier wieder aufleben zu lassen und so die Möglichkeit zu bekommen diese schon vor Millionen von Jahren ausgestorbenen Geschöpfe einmal mit eigenen Augen zu sehen. Jurassic Park bleibt unvergessen und wird für mich immer zu den absoluten Filmklassikern gehören. Perfekt erzählt, perfekt in Szene gesetzt und mit viel Liebe zur Thematik haben die Macher damals etwas absolut neues geschaffen.

Ich hatte von Anfang an große Zweifel daran, dass nach der verunglückten Jurassic Park- Fortsetzung von 2001, aus der von vielen lang erwarteten 2015er Fortsetzung „Jurassic World“ etwas wird und ich zufrieden den Kinosaal verlasse. Ich begab mich nach dem Film mit gemischten Gefühlen auf den Heimweg. Ich war nicht enttäuscht von diesem Film, beeindruckt von Plot und Umsetzung war ich jedoch auch nicht. Dabei hatte mir der erste Trailer Monate vorher noch Gänsehaut beschert. Die Freude war groß als ich feststellte, dass der Original Soundtrack wieder verwendet wird. Und auch die ersten veröffentlichten Bilder ließen die Vorfreude noch größer werden. Was mich jedoch „stutzig“ machte war die Sequenz aus dem Trailer, in der der Protagonist mit scheinbar gezähmten Raptoren wie ein jagendes Wolfsrudel samt Motorrad durch den Dschungel schießt. Gezähmte Raptoren? Das darf nicht sein!? Nachdem ich den Film aber nun gesehen habe, bin ich in der Hinsicht jedoch beruhigt. Es handelt sich um eine Beziehung zwischen Mensch und Raptor die auf gegenseitigem Respekt beruht. Also Fehlalarm. Der Raptoren-Charme war auch in „Jurassic World“ zu spüren und gab mir dieses wohlige Gefühl nach vielen Jahren wieder im Jurassic Park angekommen zu sein. Dieses Gefühl kam im Laufe des Filmes jedoch leider zu selten in mir auf.

Die grundsätzliche Idee den Park wieder neu zu eröffnen war natürlich spannend. Im Film störte mich jedoch das, auf Grund der heute üblichen Erzählgeschwindigkeit, der erste kleinere Spannungsbogen bis zum ersten Eintreffen in den Park gar nicht gespannt wurde. Abschied von den Eltern, dann sitzen die beiden auch schon in der futuristischen Magnetbahn und fahren durch das Eingangstor zur „Jurassic World“. Es ist klar das dieser erste Bogen bis zum Betreten des Parks und des ersten Erblickens eines Dinosauriers sich nicht zu spannen lohnt, da jeder weiß wie ein animierter Dinosaurier aussieht und z.B unsere Kinder der „Dino“ als solcher schon lange kalt lässt. Deshalb „zack zack“ die Einführung und zum wesentlichen kommen, der Action. Ich bin kein Fan von den ewig langen Actionsequenzen in Filmen, Jurassic Park bzw. „World“ kann jedoch natürlich nicht ohne Action auskommen. Die Action in „Jurassic World“ hatte für mich keinen Störfaktor, da ich schon im Voraus mit zahlreicher Action gerechnet habe. Es gab keine überflüssige Action. Gestört hat mich auch, das der Film bis oben hin mit „Product-Placement“ vollgestopft war. Coca-Cola, Mercedes und Samsung handelten wohl dicke Verträge mit den Produzenten des Filmes aus. Die lange andauernde Vorfreude auf diesen Film ist leider schnell verflogen, da er zu krampfhaft versucht zu sein wie der erste Teil modern erzählt.

Der Tatortreiniger (Serie)

Während er Blutpfützen aufwischt, kleine menschliche Überreste vom Boden aufsammelt und Blutspritzer von Vasen entfernt trifft Heiko Schotte auf die verschiedensten Personen. Ob eine gehbehinderte Veganerin, einen Neonazi oder einen aufgewühlten Schriftsteller, der Tatortreiniger kommt mit allen ins Gespräch und tauscht Lebensweisheiten aus. Selten ist er mit seinem Gegenüber auf einer Wellenlänge, es entstehen harte Diskussionen, denen man als Zuschauer, schwer unterhalten, folgt. In einer Dialogschlacht dringt eine Folge oft tief in ein Reizthema, welches von den Figuren bis in die kleinsten Bestandteile zerlegt wird. Ob es der übermäßige Fleischkonsum ist, den die Veganerin anprangert oder der Neonazi, der in einer heftigen Diskussion Heiko fragt, was Adolf Hitler moralisch von anderen Diktatoren auf der Welt unterscheidet. Manche Folgen jedoch, werden nicht von einem besonderen Thema getragen, sondern leben vom Gesprochenem. Die Dialoge der Serie sind mit keinen zu Vergleichen und sind meisterhaft geschrieben. Sie zu lesen mag an einen Wörterhaufen erinnern. Was der Zuschauer jedoch am Ende in einer fertigen Folge zu sehen bekommt, ist eine Vielzahl an Vergleichen, Metaphern und anspruchsvollen Zweideutigkeiten, die durchweg von hochkarätigen Schauspielern gesprochen werden. Die Serie schafft es immer wieder Figuren zu schaffen, die uns an „Typen“ des Alltags erinnern und zeigt diese mit einem Hauch der Übertreibung. Ein aufgewühlter Schriftsteller, eine „kuchenbackende“ Oma oder eine abgehärtete „Pub-Besitzerin“ mit gebrochenem Herzen. Mit der oftmals perfekten Besetzung sind alle diese Figuren trotz leichter Überzeichnung glaubwürdig.

Bjarne Mädel funktioniert nicht nur als „Ernie“ in „Stromberg“, sondern auch als gemütlicher Dorfpolizist in „Mord mit Aussicht“, oder eben auch als „Heiko Schotte“ im „Tatortreiniger“. Männlich, einfach und philosophisch, das ist Heiko. Er ist recht unzufrieden mit dem was er erreicht hat, das wird dann deutlich wenn man ihn als „Putzer“ bezeichnet und nicht korrekt mit „Tatortreiniger“ oder als „Die Spurenbeseitigung“ betitelt. Heiko schwimmt mit dem Strom und hat keinen Anreiz neue Seiten an sich oder seinem Leben zu entdecken. In der Folge „Geschmackssache“ wird ein Psychiater von einem seiner Patienten erstochen. Während Heiko seine Arbeit verrichtet trifft er auf eine weitere Patienten des Ermordeten und kommt mit ihr ins Gespräch. Diese erinnert ihn an die vielen Dinge, an denen man sich erfreuen kann und die es im Leben zu entdecken gibt. Heiko verabredet sich mit einer seiner „Sex-Bekanntschaften“ und schlägt, voller Inspiration seiner eben geführten Konversation, dieser am Telefon vor mal ein anderes ausgefalleneres Restaurant auszuprobieren als die ewig gleiche Bar. Doch er wird schnell wieder von seinem Gegenüber eingefangen und gebeten sich doch bitte am gewohnten Ort zur gewohnten Zeit zu treffen. Heiko kann seinen typischen Lebensalltag nicht so einfach verändern, obwohl man seine Person so einschätzt, dass diese weltoffen und aufmerksam ist. Heiko ist dem Zuschauer absolut sympathisch und die Identifikation funktioniert auf Anhieb. Wir verstehen seine Reaktionen und können seine Handlungen nachvollziehen, das ist ein Grund warum diese Serie so gut funktioniert und uns so eindringlich beschäftigt wenn wir uns auf sie einlassen.

Neben dem Inhalt ist auch der gestalterische Aspekt der Serie nicht zu unterschätzen. Die Kameraarbeit entspricht sehr meinem Geschmack. Sie trägt eine besondere Handschrift, die den Charakter der Serie noch einmal unterstreicht. Viele Kameraeinstellungen sind neu und ausgefallen, so werden die manchmal surrealen Szenen noch weiter vom realen Handlungsstrang abgehoben. Durch viele ungewöhnliche Kamerapositionen und Einstellungen bekommt der Zuschauer eine besondere Nähe zum Geschehen.

Diese Serie ist hoch intelligent umgesetzt und sehr zu empfehlen. Bjarne Mädel in seiner bis jetzt besten Rolle nach „Ernie“.

Into the Wild

Der Mensch fühlt sich zur Natur hingezogen, manche mehr, manche weniger. Viele Menschen verschandeln die Umwelt da ihnen Geld und Ruhm größer und bedeutender erscheint. Trotzdem denke ich, dass jeder Mensch in seinem Kern die Natur liebt. Das Gefühl draußen zu sein, frei zu sein und sich der Landschaft um einen herum hinzugeben, kann jeder nachvollziehen auch wenn er es noch nicht selbst am eigenen Körper gespürt hat. Wenn nicht als Erwachsener dann haben wir als Kinder daran gedacht einfach abzuhauen, weg von anderen Menschen, von Straßen und Häusern. Als Kinder malten wir uns aus wie wir uns Baumhäuser bauen würden und dort für immer leben würden, zusammen mit unserem Kuscheltier „Rüdiger“. Wir stellten uns das wie ein Paradies vor, keine nervigen Menschen und Aufgaben um uns herum. All die Schwierigkeiten und Probleme die so ein Vorhaben mit sich tragen wären uns nie in den Sinn gekommen.

„Into the Wild“ erzählt die wahre Geschichte von Christopher McCandless, der in einem Vorort von Washington D.C lebt. Nach seinem Studium beschließt er all sein Geld zu verbrennen und weg von seinen spießigen Eltern in die Wildnis zu wandern und eine Reise nach Alaska anzutreten. Seine Eltern haben nie begriffen was ihrem Sohn wirklich wichtig war und wie sie ihn wirklich zu einem glücklichen Kind machen konnten. Ihr Ziel war es aus ihm ein neutralen Menschen zu machen der in die heutige Gesellschaft passt und bloß nicht auffällt. Was sollen denn sonst die Nachbarn denken? Wichtig ist das man Dinge besitzt, Autos mit denen man angeben kann und ein großes Haus dessen Vorgarten ausruft: „Hier lebt eine makellose und glückliche Familie!“. Es macht schon Angst wenn man beim anschauen dieses Filmes feststellt, wie viel Wahrheit in ihm steckt und wie man all diese Dinge auf sein eigenes Umfeld projizieren kann. Ich denke wir deutschen sind in Sachen „Spießbürgertum“ die Vorreiter. Kalt, verklemmt und engstirnig, das sind „Wir“, daran gibt es keinen Zweifel. Nicht alle, aber der „Spießeranteil“ überwiegt. Aus diesem Umfeld entfernt sich Christopher nun also und macht sich auf den Weg mit dem Künstlernamen „Alexander Supertramp“. Für ihn ist diese Reise keine Flucht, sondern vielmehr eine Art Selbstverwirklichung. Er ist auf der Suche nach dem Moment, nur er und die Natur, keine Menschenseele weit und breit, in diesem Moment in dem man nichts anderes spürt als Freiheit und das Leben.

„Supertramp“ strahlt eine Mischung aus Lässigkeit und Entschlossenheit aus, die es für Sean Penn einzufangen galt. Der Film musste in seinen gestalterischen Aspekten diesen „wilden“ und selbstbewussten Menschen widerspiegeln und das schafft er mit vielen individuellen und „freien“ Kameraeinstellungen, einem eindringlichem Soundtrack von Eddie Vedder, der mit seiner markanten und tiefen Stimme den Film im Ganzen abrundet. Wichtig für den Film war es auch eine gewissen Lässigkeit auszustrahlen, dies wird z.B in der „Apfel-Szene“ deutlich. Supertramp sitzt auf einer Steinbrücke und isst einen Apfel. Mit Jump-Cuts wird der einseitige Dialog mit seiner Frucht eingefangen. Am Ende der Szene wird kurzzeitig die Wand zum Zuschauer durchbrochen und „Supertramp“ lehnt sich direkt vor die Linse und grinst uns mit einem Apfelstück im Mund an. Der Film entfernt sich, vergleichbar mit seinem Protagonisten, von den spießigen Kameraeinstellungen vieler Filme. Er funktioniert, da der gesamte Film in all seinen Bereichen und Schichten den Hauptprotagonisten widerspiegelt. Diese Geschichte kann nicht mit einem Abstand zwischen Zuschauer und Handlung stattfinden, der Zuschauer muss nah dran sein und „Supertramp“ voll und ganz verstehen.

Eltern sollten diesen Film nicht in die Hände ihrer Jüngsten gelangen lassen, da diese von „Alexander Supertramp“ inspiriert werden könnten. Also Vorsicht, kauft euren „Kleinen“ lieber die „Daddelkisten“ die sie von euch einfordern, sonst seht ihr sie bald mit Rucksack und Stock gen Horizont wandern.

Billy Elliot

Lohnt es sich an seinen persönlichen Traum zu glauben? Kann sich jeder selbst verwirklichen und das tun was er wirklich will? Vor einigen Jahrzehnten noch waren es die Eltern die ihren Kindern den Weg aufzeigten und auch heute noch haben Mama und Papa einen großen Einfluss darauf, welche Richtung ihre Sprösslinge einschlagen. Nun gilt es zu entscheiden, gehe ich den bequemen Weg und lasse mich von anderen Personen leiten und beeinflussen, oder nehme ich alles selbst in die Hand und strebe meinen Traum an. Zweiteres bringt natürlich viel Risiko mit sich und die Gefahr zu scheitern ist groß. Eigentlich müssen wir uns ja keine sorgen machen, da wir von allen Seiten Mut zugesprochen bekommen. Wie viele Filme versuchen krampfhaft die Aussage:“ Wenn du fest daran glaubst, kannst du alles schaffen“ unter das Volk zu bringen? Die Prominenten Menschen zu denen viele aufblicken sprechen es auch immer wieder aus: „Glaubt an euch, dann schafft ihr es und erreicht euren Traum“, oder auch: „Glaubt an euch, dann könnt ihr irgendwann mal so geil sein wie ich“. Neben all diesen künstlichen Mutmachern gibt es einige Geschichten die weitaus glaubwürdiger sind. Die Geschichte von Billy Elliot, der Junge der einen Traum hatte und alles dafür tat um ihn zu erreichen. Er hatte einen solch großen Willen, dass er sich sogar gegen seinen Vater stellte. Dieser schickte ihn zum Boxtraining, weil das nun mal etwas war das ein Junge seines Alters tun sollte. In Billy brannte jedoch ein anderes Feuer, er wollte nur eines…Tanzen.

Der englische Film „Billy Eliot – I will dance“, feierte im Jahr 2000 Weltpremiere auf den Filmfestspielen von Cannes. Regie führte Stephen Daldry, der nach „Billy“ durch seine Filme „Der Vorleser“ und „Extrem Laut & unglaublich nah“ viel Aufmerksamkeit bekam. Die Hauprolle des Billy wurde von Jamie Bell verkörpert, der diesen Film für sich als Sprungbrett ins Filmgeschäft bezeichnen kann. Nach „Billy Elliot“ bekam er Angebote für Rollen unter anderem für „King Kong“ von Peter Jackson und „Die Abenteuer von Tim und Struppi“ von Spielberg.

Billy lebt mit seinem Vater, seinem Bruder und seiner Großmutter in Durham in Nordengland. Der kleine Billy ist ein introvertierter und intelligenter junger Mann, der im Laufe des Filmes immer stärker spürt das in ihm eine Leidenschaft steckt, die er nicht bändigen kann. Seine Füße fangen von allein an zu „zappeln“ und bewegen sich zum Takt der Musik. Er fühlt sich in diesen Momenten frei, in denen er sich einfach hingibt und anfängt zu tanzen. Solch ein Tanzfilm wie „Billy Elliot“ funktioniert nur mit guter Musikauswahl, und die ist hier vollkommen gelungen. Alle Songs strahlen eine Hemmungslosigkeit und „Tanzfreude“ aus, die dem Zuschauer Spaß machen. Die Musik rundet viele Szenen ab und hat im Film einen sehr hohen Stellenwert.

Billys Selbstbewusstsein wächst und er entscheidet sich dafür, sich von niemandem leiten zu lassen sondern für seinen Traum zu kämpfen. In der gleichen Halle in der Billy sein Boxtraining abhält finden ebenfalls die Ballettstunden von Mrs. Wilkinson statt. Zufällig landet Billy nach dem Boxtraining, zwischen den restlichen jungen Tänzerinnen, an der Stange. Mrs. Wilkinson sieht sofort das Potenzial das in Billy steckt und versucht ihn bei ihren Ballettstunden zu halten. An seinen Vater denkend, fühlt Billy sich anfangs als täte er etwas illegales, springt dann aber über seinen Schatten und lässt seiner Leidenschaft freien Lauf. Im weiteren Verlauf des Filmes erfährt sein Vater von seinem neuen „Hobby“ und ist empört. In der zweiten hoch emotionalen Hälfte des Filmes finden Vater und Sohn wieder zueinander und Billys Vater unterstützt seinen Jungen sogar in seinem Vorhaben. Die Endszene grenzt an einen makellosen Höhepunkt. Sie zeigt Billys großen Moment, den ersten Sprung auf die große Tanzbühne. Der Sprung in Tschaikowskis Schwanensee. Die Mischung aus der Musik und den beeindruckenden Bildern hat eine enorme Wirkung. In diesen Sekunden zahlen sich alle Schmerzen, Tränen und all der Schweiß aus. Billy hat sich richtig entschieden und seinen Traum erreicht.

Die fabelhafte Welt der Amelie

Amelie erfuhr als Kind nie viel körperlichen Kontakt zu ihren Eltern und hatte auch keinen Kontakt zu anderen Kindern. Sie zog sich in ihre eigene Phantasiewelt zurück und sprach wenig. Durch viele warme und farbenfrohe Bilder vermischt sich diese Phantasiewelt im Film, „Die fabelhafte Welt der Amelie“, mit der echten und so liegen Amelies Vorzüge und Prioritäten an ganz anderen Stellen, als die der durchschnittlichen Gesellschaft. Wir können viel lernen von dieser beeindruckenden und besonderen Figur. Kleine Dinge machen ihr Leben lebenswert und sie denkt ständig an das Wohlbefinden der Menschen um sie herum. Sie findet in ihrer Wohnung zufällig hinter der Wand ein Spielzeugkästchen, das vor vielen Jahren mal ein Kind dort versteckt haben muss. Amelie macht sich auf die Suche und findet schließlich den Besitzer, der mittlerweile ein älterer Mann geworden ist. Amelie lässt den Mann sein Kästchen wiederfinden, dieser bricht beim Anblick seines einst versteckten Schatzes in Tränen aus. Es sind tatsächlich die kleinen Dinge die die größte Freude bereiten können. Menschen sollten auf diese Art und Weise anderen Menschen viel öfters eine Freude machen, nötig hierzu ist jedoch auch, dass die Empfänger dieser kleinen Freuden gelernt haben sich nicht nur von teuren und möglichst großen Aufmerksamkeiten beeindrucken zu lassen.

So wie seine Protagonistin verströmt auch der Film selbst eine gewisse Ruhe und Unbekümmertheit. Eine leicht ironische und angenehme Stimme begleitet uns im „Off“ durch den Film und erklärt uns wie Amelies Welt funktioniert. Die junge Frau bewegt sich durch das unbekümmerte Paris wie ein Ruhepol der vielen Leuten die Augen öffnet oder ihnen einen Anreiz gibt etwas zu tun, dass ihnen im Nachhinein etwas positives im Leben beschert. Im Laufe des Filmes trifft Amelie dann auf einen Mann, der sie auf besondere Art und Weise beeindruckt und mit ihr scheinbar einige Eigenschaften teilt. Sie sieht ihn das erste Mal am Bahnhof. Er geht von Fotoautomat zu Fotoautomat und klebt Fotos in ein Album die er auf dem Boden unter dem Automaten findet. Es sind meist die Fotos die nichts geworden sind, zu hell, zu dunkel, Augen zu, verschwommen oder ein seltsamer Gesichtsausdruck ließen diese Fotos auf dem Boden landen. Nino sucht jedoch genau diese Fotos um sein Album zu füllen. Amelie ist beeindruckt und interessiert sich sehr für den jungen Mann. Diese besondere Liebesgeschichte, die nichts zu tun hat mit den plumpen Liebesstreifen aus Amerika, ist sehr berührend und spannend. Amelies Schüchternheit hindert sie daran, auf Nino zuzugehen und mit ihm zu reden. Sie hinterlässt ihm kleine Nachrichten und Hinweise die auf sie hindeuten, schafft es aber dennoch nicht mit ihm in Kontakt zu treten.

Die Figur Amelie ist dem Zuschauer so sympathisch, dass dieser hofft das sie nun endlich über ihren Schatten springt und das bekommt was sie will. Der Film schafft die vollkommene Identifikation mit der Protagonistin, man lernt sie sehr schnell kennen und weiß schon nach kurzer Zeit was Amelie denkt oder fühlt. Die Mimiken spielen hier eine große Rolle, die großen braunen Augen und das minimalistische Lächeln sagen dem Zuschauer eine Menge und verraten viel über Amelie. Das spricht sehr für das schauspielerische Können Audrey Tautous.

Die Figuren um Amelie herum besitzen alle mindestens eine scheinbar verrückte Eigenschaft, sind im Endeffekt aber näher am Leben dran als in den meisten Filmen in denen wir die Figuren mehr nachvollziehen können, sie aber eigentlich schon alle kennen. In „Die fabelhafte Welt der Amelie“ ist es geglückt, dass die Figuren uns alle an mindestens eine Person aus unserem persönlichem Umkreis erinnern. Die meisten Menschen haben verrückte Eigenschaften und seltsame Angewohnheiten und diese gibt der Film ungefiltert preis. In dieser Welt scheint Amelie die „normalste“ Person überhaupt zu sein, da es eher absurd scheint sich von sexuellen Trieben leiten zu lassen und die Welt mit so einer Ernsthaftigkeit zu betrachten, dass wir gar nicht merken wie unsere persönliche Lebensqualität darunter leidet.

Der große Gatsby

Große Bilder, bunt, laut und schnell. „Der große Gatsby“ wurde 2013 zum fünften Mal verfilmt. Schon 1926 wurde ein Kurzfilm über die Geschichte der fiktionalen Persönlichkeit Jay Gatsby gedreht. Auch Jack Clayton versuchte 1974 mit einem Drehbuch von Francis Ford Copolla sein Glück und besetzte Robert Redford, der die anspruchsvolle Aufgabe hatte diese mysteriöse und hoch interessante Figur darzustellen. 2001 gab es ein Fernsehspiel, dass noch einmal den „F. Scott Fitzgerald -Stoff“ bearbeitete und versuchte die Geschichte neu aufleben zu lassen. Jüngst konnte sich schließlich auch Buz Luhrmann nicht zurückhalten diese scheinbar so anspruchsvolle Aufgabe anzugehen. Er holte sich Leonardo DiCaprio, Toby Maguire und Cary Mulligan ins Boot, schrieb zusammen mit Craig Pearce ein Drehbuch und machte sich an die Arbeit. Bei seinen Vorgängern blieb der große Erfolg leider aus und sie bekamen nicht viel Aufmerksamkeit mit ihren Filmen. Leider bin ich der Meinung das auch beim „2013er Gatsby“ einiges hätte besser gemacht werden können. Trotz dieser kleineren Schwächen, auf die ich noch eingehen werde, hat mich der Film nicht ganz kalt gelassen.

Das Leonardo DiCaprio ein außergewöhnlicher Schauspieler ist, der den Großteil seiner Figuren mit Bravur meistert, muss an dieser Stelle nicht mehr erwähnt werden. Auch die hoch interessante Figur Jay Gatsby stellt er scheinbar mühelos als die Person da, als die sie in Fitzgeralds Buch beschrieben wird. Er steht Aufgrund seiner Rolle, aber auch Aufgrund seiner Leistung, im Zentrum des Filmes und zieht uns in die partyreiche Welt des Jay Gatsby. Auch Tobey Maguire ist eine nahezu perfekte Besetzung als introvertierter Nick Carraway. Mit seinem „Milchgesicht“ und seinen starken und unschuldigen Mimiken steht er zu dem selbstbewussten und erfolgreichen Jay Gatsby im Kontrast. In der ersten halben Stunde des Filmes versucht Nick das Geheimnis hinter dem Name „Gatsby“ zu finden. Er erfährt das dieser wohl nie auf seinen Partys auftaucht und das ihn auch noch nie jemand gesehen hat. Die riesigen Partys in seinem prachtvollen Anwesen sind nur Tarnung um seine Person. Im weiteren Verlauf des Filmes kommt es dann aber ganz anders und Gatsby hat plötzlich seinen großen Auftritt. Mit seinem unwiderstehlichem Lächeln, einem Sektglas in der Hand und mit riesigem Feuerwerk im Hintergrund begrüßt er Nick. Von diesem Punkt an erfährt Nick nach und nach die Wahrheit über den Millionär, über den niemand weiß wie er an all sein Geld gekommen ist.

Gatsby erzählt ihm aus welchem Grund er sein großes Anwesen auf Long Island gekauft hat und das er seit fünf Jahren auf seine alte große Liebe Daisy Buchanan hofft, die genau auf der anderen Seite des Sees vor seinem Schloss wohnt. Während er im Kriegseinsatz war heiratete sie einen anderen Mann, aber Gatsby ist sich sicher das sie nur ihn wolle und diesen neuen Mann nie geliebt hat und auch nie lieben wird. Nick soll Gatsby helfen Daisy wieder zu ihrer alten Liebe zurückzuführen. Die Geschichte geht nun von dem großen Rätsel „Jay Gatsby“ über zu einer „Emotionen-Schlacht“. Daisy ist zuerst hin und weg als sie Jay nach fünf Jahren wiedersieht, steht am Ende aber zwischen ihren beiden Liebhabern und ist verzweifelt. Jay ist nach dem ersten Wiedersehen voller Hoffnung, wird dann aber immer ungeduldiger und aggressiver Daisy gegenüber, die sich durch sein endloses Einreden in die Ecke gedrängt fühlt. Der gesamte Film ist eine Sektflasche, die unter großem Druck steht und zum Schluss nicht nur den Korken freigibt sondern mit großer Kraft komplett explodiert.

Anfangs störten mich die schnellen Schnitte und die rasanten Kamerafahrten durch West Egg. Auch die sehr langen Partyszenen wirkten schnell nicht mehr auf mich. Ich war froh als der Film ein gemäßigtes Tempo annahm und endlich die Geschichte erzählt wurde. Die Liebesgeschichte zwischen Gatsby und Daisy wirkte auf mich bedrückend und traurig. Gatsby betrieb einen riesigen Aufwand und tat alles um seine Daisy wieder bei sich zu haben, wurde schlussendlich aber nicht belohnt. Nick Carraway wirkte in der zweiten Hälfte des Filmes wie ein Streitschlichter und ein Ruhepol, er ist zwar in allen Szenen anwesend sitzt aber bei großen Streitszenen nur daneben und strahlt Ruhe aus. Nick ist ein kaum neugieriger Mensch der sich nicht einmischt und er bildet sich keine Meinung über die Menschen die er trifft. Das macht ihn zu einem sympathischen und vertrauensvollen Erzähler der Geschichte. Ein weiterer Aspekt des Filmes der erwähnt werden muss ist die Musikwahl. Der Film spielt in den 20er Jahren und ist auch teilweise mit der typischen Musik gespickt die in dieser Zeit entstand, einigen Szenen werden jedoch von fetten Partysounds der Neuzeit beschallt. „A little Party never killt somebody“ hallt durch die Hallen des „Gatsby-Schlosses“. Diese neue Mischung ist wie ich finde ein geglücktes Experiment, der Film bekommt durch diese Musikwahl einen eigenen Charme der bei gewirkt hat. „Der große Gatsby“ ist ein gelungener Film mit Ansätzen die ich so noch nicht gesehen habe. Er hat einige Längen, die ich aber verzeihen kann wenn ich den Film im Ganzen betrachte. Er ist nicht nur für DiCaprio-Fans zu empfehlen.